Leseprobe: Outlanders Legacy – Band1: Dunkle Pläne

OUTLANDERS – LEGACY

Band 1

Dunkle Pläne

Von
Allan J. Stark

 

Erzähl mir, Muse, die Taten des viel gereisten Mannes,
Welcher so weit geirrt, nach der unsrer Welt Zerstörung,
Vieler Menschen Heimstatt hat gesehn, und Sitte dann gelernt,
Und in der Sterne Ozean so viel Leiden hat erduldet,
Seine Seel zu retten und seiner Freunde Zukunft …

(Homer)

 

Zeitpunkt: 11.365 pgZ

Kapitel 1

Kaiserliches Büro für Raumfahrtangelegenheiten

 

Die Behörde für Raumfahrtangelegenheiten verfügte über den größten Gebäudekomplex auf der galaktischen Hauptwelt Vanetha. Die Aufgaben dieser Einrichtung gehörten zu den vielfältigsten, die der imperiale Machtapparat zu bewältigen hatte. Ihr oblag die Verantwortung Handelswege zu beschützen, Zölle und Warentransporte zu kontrollieren, Schmuggel und Piraterie zu bekämpfen. Die Leitung von millionen Sprungpunkten, von denen aus Raumschiffe auf überschnellen Routen durch die Galaxis katapultiert wurden, gehörte ebenfalls zu ihrem Resort und stellte einen ihrer wichtigsten Posten dar. Eine gewaltige Herausforderung, die enorme Verantwortung bedeuetete. Zum einen konnte ein Fehler auf diesem Gebiet zum Erliegen beinahe aller interstellaren Schiffsbewegungen führen. Zum anderen bedeutete die Herrschaft über diese Knotenpunkte ein bedrohliches strategisches Moment, das die Minister der nominellen Republik auf den Plan rief. Die nominelle Republik galt zwar als die eigentliche Gewalt im Sternenreich, doch angesichts der beeindruckenden imperialen Präsenz auf allen Gebieten galaktischer Interaktion, war ihre Macht begrenzt. Im Grunde genommen gestattete ihr der Kaiser zu regieren, solange er seine Interessen nicht gefährdet sah.
Der Glanz der Abendsonne ließ die Fassaden und Fenster des Häusermeeres leuchten, das den gesamten Planeten bedeckte. Die gigantische Architektur der Behörde mit ihren wuchtigen Formen und aufstrebenden Türmen ragte daraus empor wie eine Insel und unterstrich damit ihre Bedeutung für Asgaroon oder die Milchstraße, wie sie von den Menschen genannt wurde. Auch bei Großadministrator Kallen MacEndry spiegelten seine Körpermaße seine Position innerhalb der Behörde wieder. Mit gelassener Mine beobachtete er, wie einer seiner Mitarbeiter gegenüber seines Schreibtisches Platz nahm und in seiner Mappe zu kramen begann. Es handelte sich um Ian Anderby, der in Größe und Gestalt das ganze Gegenteil von MacEndry war. Er war der Leiter einer Dienststelle, deren Zweck es war, sich mit der Sicherung von Routen zu beschäftigen, die fern ab der Sprungtrassen lagen. In seine Zuständigkeit fiel es, die Bewegungen von Schiffen zu erfassen, die sich im Hyperraum bewegten, oder ihn verließen.
„Das ist nun schon der zehnte Vorfall dieser Art“, bemerkte Ian Anderby und förderte eine kristalline Scheibe und einige transparente Datafolien zutage, die er auf MacEndrys Schreibtisch ausbreitete. „Ich habe hier die Logbuchaufzeichnungen und die beglaubigten Aussagen der Kapitäne aller betroffenen Schiffe. Ich habe Ihnen ja bereits vorab die Namen genannt und im groben geschildert, was wann und wie passiert ist. Hier finden Sie die Details.“
Großadministrator Kallen MacEndry lehnte sich in seinem schwarzen Ledersessel zurück und starrte auf die Datenscheibe und die Dokumente, die Anderby noch etwas zurechtrückte, damit sie eine akkurate Formation auf der Tischplatte bildeten. MacEndrys Sessel knirschte, während die Masse seines Leibes das Leder, die Polster und die Mechanik darin beanspruchte. „Diese Vorfälle ereigneten sich über einen Zeitraum von vier Jahren?“
„Das erste Tor, welches sich einem imperialen Schiff verweigert hat“, erklärte Anderby, „war das Fayroo im Pentana System. Zeitpunkt: 00:10 Uhr am 2. Februar 11.373 pangalaktischer Zeitrechnung. Das Schiff war eine Fregatte unter … “
„Ich finde diese Daten wohl auf dem Datenträger, oder?“, unterbrach ihn MacEndry. „Schiffsnamen, Kennungen? Die Namen aller Kapitäne und Offiziere?“
„Natürlich.“
Der Großadministrator schwieg, lehnte sich vor und nahm die Folien an sich, um sie kurz zu überfliegen. Hier und da bildete sich ein Hologramm, dass einige Momente über das transparente Blatt geisterte.
„Angesichts der Tatsache“, fuhr Ian Anderby fort, „dass so etwas in zehntausend Jahren nicht ein einziges Mal vorgekommen ist, stellen diese Zwischenfälle innerhalb eines so kurzen Zeitraumes eine äußerst bedenkliche Entwicklung dar.“
„Glauben Sie, das wüsste ich nicht?“ Kallen MacEndry widmete sich den Dokumenten, ohne sein Gegenüber anzusehen. „Mir macht es jedoch mehr zu schaffen, dass diese Vorkommnisse einen eklatanten Verstoß gegen das Abkommen mit den Othirim darstellen. Der Kaiser empfängt ständig die Delegationen der Othirim, um sich mit den Sternspringerportalen abzusprechen. Und die Othirim gehören nicht gerade zu den angenehmsten Gesprächspartnern. Und da sie nicht der Behörde unterstehen – obwohl sie das eigentlich sollten – habe ich auch keine Handhabung gegen sie. Naja.“ Er rieb sich die Nasenwurzel mit den fleischigen Fingern. „Wer hat das schon? Der Kaiser, oder Skorw womöglich, nach allem was man so munkelt.“ MacEndry legte die Folien zurück auf den Tisch, wo sie Anderby erneut akribisch in Reihe brachte. „Aber warum erfahre ich erst jetzt davon? Direkt beim ersten Vorfall hätte man mir Bescheid geben müssen!“

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