Weitere unlektorierte Passage aus meinem nächsten Roman.

Brooks fand sich noch nicht ganz zurecht in seiner neuen Umgebung. Es war die erste Nacht auf der Rena. Einem kleinen, schnellen Schiff, dass ihm Ulan Mestray zur Verfügung gestellt hatte, damit der Serwan den Aufgaben als Sprecher im Rat der Adelshäuser auf der Welt Skeena nachkommen konnte. Wenn Brooks über seine neue Funktion nachdachte, wurde ihm übel. Obwohl er über alle Angelegenheiten der Akkatohäuser Bescheid wusste, und Ulan Mestrays Denkweise kannte, war es doch etwas ganz anderes, als dessen Sprecher zu fungieren und vor den Vertretern aller bedeutenden Clans aufzutreten. Ihm fehlte schlicht die Gewandtheit und Lässigkeit, mit denen es Mestray gelang, Fragen und Vorwürfen abzuwehren, oder zu ignorieren, die man ihm in diesem Forum stellte. Während der Fürst am Ende einer langen Reihe, ruhmreicher Vorfahren stand, handelte es sich bei Brooks lediglich um einen Flüchtling von einer unbekannten Welt. Einem jener Outlander, denen man mit wenig Respekt begegnete. Auch wenn sich dass in den letzten Jahren etwas geändert haben mochte, bei den meisten Akkato galt ein Mensch weiterhin nicht viel. Immerhin machte die neue Religion, in der die Menschen eine wesentliche Rolle spielten, von sich reden und etliche Pferdeköpfe sahen darin die Wiederbelebung alter Kulte und Werte. Werte, die der Gesellschaft angeblich abhandengekommen waren und denen nun größeres Gewicht beigemessen wurde, als fragwürdigen, zukunftsgewandten Ansichten, die das Denken strapazierten. Brooks lachte innerlich. Menschen und Akkato glichen sich, wenn es darum ging Werten zu huldigen, die eigentlich nie praktiziert und gelebt wurden. Oder Zeiten nachzuhängen, die nie so gut waren, wie man sie in Erinnerung hatte. Trotzdem würde Brooks alles daran setzen so gut wie möglich zu heucheln und den Geist vergangener Größe zu beschwören. Lediglich um den Menschen ein Trittbrett zu liefern, auf dem sie ein Weilchen länger in der feudalen Welt der Akkato und Asgaroons überleben konnten. Es war nicht das erste Mal, dass Brooks so empfand. Tatsächlich stellte es sich als eine interessante Erfahrung für den Serwan heraus, in eine Rolle zu schlüpfen, die seinem eigenen Wesen völlig entgegengesetzt war. Eine Weltanschauung zu vertreten, die seiner gewohnten Überzeugung ganz und gar nicht entsprach und sich in Denkweisen hineinzufinden, die ihm völlig fremd waren. Seltsamerweise gelang ihm das besser, als er dachte.

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