Deutsche Phantastik – tot !?

Eines muss man zugeben! Die Übermacht der angloamerikanischen Phantastik ist schier erdrückend. Star Wars, Herr der Ringe, Star Trek, Harry Potter, Game of Thrones, das Marvel Universum. Wenn man diese Begriffe irgendwo auf der Welt erwähnt, finden sich sie Nerds zusammen, wie auf das Hornsignal eines Elben. Würde ich dort Raumpatroullie Orion, oder Perry Rhodan erwähnen – was ich schon getan habe – erntet man nur betretenes Schweigen und erreicht, dass sich die Augen des Gegenübers zu Spiegeleigröße weiten. Da sich die zuvor erwähnten angloamerikanischen Phantastik-Monster in der Popkultur gerade so herumtreiben, wie die Dinos in der Jurassic World, nimmt sich die europäische, bzw. deutsche Phantastik  verhältnismässig ameisenhaft aus. Obwohl die Franzosen durch ihre Comic-Kultur, auf dem internationalen Parkett schon etwas Vorsprung haben. Aber zweifellos zählen auch die Ameisen zu den Lebewesen, auch wenn sie klein sind. Man muss nur genauer hinsehen um das Gewimmel zu erkennen. Natürlich tut sich etwas im deutschen Fantasy/SF Teritorium. Allein die Namen Andreas Eschbach und Frank Schätzing zeigen dass der Ameisenstaat in Bewegung ist.

Vielleicht ist das Gejammere über den bevorstehenden Tod der deutschen Phantastik auch den Alt-Fans geschuldet, die verzweifelt versuchen ihre Kinder an althergebrachte Serien heranzuführen. Angesichts der bunten, effektvollen Übermacht aus USA, ist das ein beinahe sinnloses Unterfangen. Doch viele der jungen Phantastik- Fans wenden sich neuen Ufern zu, schreiben selbst, entwickeln Spiele, etc. Möglicherweise ist das Gejammere auch lediglich der Abgesang an alte Tage, gesungen von alten Fans. Ich habe vor kurzem einen Kommentar gelesen, der einer deutschen SF – Reihe galt und besagte, dass es abseits von PR (man weiss welche Serie gemeint ist), nichts an deutscher Phantastik gäbe, dass sich lohnte gelesen zu werden. Dieser Kommentar zeigt nur eines: Dass es manche nicht schaffen neue Wege zu gehen oder sich damit zu befassen, aus der Angst heraus, etwas Neues könne ihnen besser schmecken, als ihr gewohnter Brei. Sie können Liebgewordenes nicht in das Regal stellen und nach neuem Ausschau halten.

Tot ist die deutsche Phantastik nicht. Nur eben kleiner als die Armada aus Übersee 🙂


 

  3 comments for “Deutsche Phantastik – tot !?

  1. 20. Juli 2015 at 15:41

    Nein, tot ist die deutsche Phantastik nicht. Sie ist nur jeden Tag ein bisschen anders. Ist das nicht phantastisch?

    • 20. Januar 2016 at 12:18

      Viel geht auch durch das wenig vorhandne Können, der deutschen Filmschaffenden verloren.

  2. smallSoldier
    20. Januar 2016 at 6:23

    Das Problem ist einfach auch die gewaltige Medienwirkung und die Marketingmaschine Hollywood, bzw. (Amerikanischer) TV-Sender.
    Außerhalb der USA wären doch solche Bücher, wie „Tribute von Panem“, „Twilight“ oder „Game Of Thrones“ ohne die Umsetzung in bewegte Bilder kaum einem bekannt.
    Hier ist leider die deutsche TV- und Kinokultur nicht ganz unschuldig an der Miesere. Perry Rhodan hätte, allein vom Stoff her, z.B. problemlos das Zeug, Serien wie Star Trek Konkurrenz zu machen. Aber leider produzieren die deutschen Sender lieber billigen Scripted-Reality-Müll.
    Auch das deutsche Kino ist nur noch ein Trauerspiel. Da kommen zig „Romantische Komödien“ pro Jahr, oder vielleicht auch mal ein (gar nicht mal so schlechtes) Drama, aber das war es dann auch. Dabei war Deutschland, auch im phantastischen- und Sci-Fi-Bereich, mal ganz gut dabei. Die unendliche Geschichte, Enemy Mine, Joey, Krabat…
    Das Know How und die technischen Möglichkeiten sind ja gegeben, wie Bullys „Traumschiff Surprise – Periode 1“ gezeigt hat. Man kann von dem Film an sich halten, was man will, aber die Effekte brauchen sich hinter Hollywoodproduktionen aus dem selben Zeitraum, nicht verstecken.

    Was die deutsche SF-Literatur angeht… was will man machen?
    Die Konkurrenz aus den USA, durch die ganzen gehypten Serien, ist eben geradezu erdrückend. Dazu noch die alteingesessenen deutschen Fans „etablierter“ Serien und Autoren, die neuen Werken selten eine Chance geben. Verlage sind auch nicht gerade begeistert, wenn man mit dem Skript für einen Sci-Fi-Roman, oder ganz Schlimm, einer Serie auftaucht.
    Da bleibt für junge Autoren oft nur das Self-Publishing, und da wahrgenommen zu werden ist nochmal eine ganze Ecke schwieriger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.