Eine Rezension, wie ich sie mir wünsche.

Eine sehr schöne Rezension zu meinen Romanen innerhalb der Rettungskreuzer Ikarus Reihe, erschienen im Atlantis Verlag! Sie ist sehr gelungen, da sie genau das anspricht, was ich mit meinem Roman bezwecken wollte, nämlich gute Unterhaltung zu liefern. Darüber hinaus spricht sie Punkte an, die ich bei einer Neuauflage berücksichtigen kann.

Allan J. Stark präsentiert eine Reihe von Debüts mit seinem Doppelband. Zum ersten Mal keine Trilogie, sondern im Grunde ein langer alleinstehender Roman. Die Trennung zwischen „Der schlafende Gott“ und „Sturm über Toruk“ erfolgt nur aus umfangtechnischen Gründen, die Handlung läuft kontinuierlich fort.
Auch steht nicht der Rettungskreuzer IKARUS im Mittelpunkt der Handlung, sondern die HYPERION. Das Raumschiff stammt aus dem Mossan Imperium, dessen Regierung seit einigen Jahren mit dem Raumcorps kooperiert. Viel Arbeit für die Besatzung des Rettungskreuzers unter dem Kommando von Mike Lorensen.
Der Plotverlauf ist ausgesprochen stringent und trotzdem spannend. Am Ende des ersten Buches ist die Besatzung der Hyperion nicht immer freiwillig einem intelligenten Hochstapler, einem alten Priester und schließlich einem ehemaligen Söldner begegnet, deren Sichtweisen unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Ziele aber mehr oder minder gleich sind. Der schlafende und unterdrückte Riese Toruk soll wieder erwachen. Grob gesprochen erinnert der Handlungsverlauf auch an eine Mischung aus Frank Herberts politischen Visionen in „Der Wüstenplanet“ mit einem der Protagonisten aus „Der Mann, der König sein wollte“ und verschiedenen Perspektiven, die Akira Kurosawa in „Rashomon“ so exzellent zur Verwirrung der Zuschauer gesponnen hat. Insbesondere in Bezug auf „Der Mann, der König sein wollte“ trägt der exzellente Rahmen bei, mit dem Allan J. Stark den Handlungsbogen eröffnet und den Leser gemeinsam mit Lorensen einige Jahre in die Vergangenheit schauen lässt.
Herausgekommen ist einer der besten Minizyklen der Serie seit Umstellung des Konzepts. Die Hyperion rettet ein im All treibendes Raumschiff der Toruk, einer Welt, die technologisch hochstehend vor vielen hundert Jahren den Raumsektor beherrschte. Der König ist damals während eines Feldzugs verschwunden, die Armee zerfallen und inzwischen wird der sandige Planet von den Bergbaukonzernen beherrscht, welche die Bevölkerung ausnutzen. Es gibt immer wieder Gerüchte, dass unter dem Sand die hochstehende Technik der Toruk schlummert, es kann aber niemand beweisen. An Bord des Raumschiffs finden die Besatzungsmitglieder der Hyperion – Allan J. Stark stellt sie im Verlaufe der Handlung kurz, prägnant und pointiert vor – zwei Männer, die sich als Sayor Basory und sein Waffenmeister Otay Duul vorstellen. Angeblich ist Basory der verschwundene König der Toruk, wie König Arthur wieder zu altem Glanz führen soll. Widerwillig bringt die Hyperion die beiden Männer nach Toruk, um sich dann schnell wieder zu verabschieden. Nur werden sie in die Politik hineingerissen, wobei insbesondere Basory eine Überraschung für Lorensen bereithält.
Wie eingangs angedeutet, sind es die unterschiedlichen politischen Positionen, mit denen sich die Besatzung der Hyperion auseinandersetzen muss. Selbst der ein wenig naive Priester hat nur das Wohl der Bevölkerung im Sinn. Dabei dürfen die „neuen“ Herrscht sich auch gerne pragmatisch die eigenen Taschen füllen, wenn fürs Volk auch etwas übrig bleibt. Allan J. Stark stellt relativ schnell klar, dass die drei wichtigen Figuren in diesem kosmopolitischen Schachspiel keine Spinner sind. Sowohl der angeblich verschollene König als auch der ehemalige Söldner haben sich ihre Pläne sehr gut überlegt und verfügen zudem über die Mittel und das intellektuell Potential, sie umzusetzen. Dabei spielt der Autor auch gerne gegen die Erwartungshaltung der Leser und relativiert das Image des egoistischen Hochstaplers.
Über allem schwebt das nicht schlummernde Erbe Toruks. Es wirkt ein wenig konstruiert, dass angesichts der aus der Vergangenheit gezeigten Bilder und den Hinterlassenschaften des Krieges – immerhin wurde das Raumschiff nach fast zweitausend Jahren quasi unbeschädigt und funktionsfähig als exemplarisches Beispiel der selbst dem Raumcorps der Gegenwart überlegenen Technik auf einem einsamen Planeten gefunden – niemand wirklich die Oberfläche von Toruk durchwühlt hat, um mehr als nur wenige Artefakte zu finden. Wahrscheinlich wäre es die lukrativere Vorgehensweise, anstatt Bodenschätze alleine zu bergen.
Aber unabhängig von dieser Schwäche hat der Autor vor allem nach einem wortreichen Auftakt im Mittelteil einen überdurchschnittlichen „Rettungskreuzer Ikarus“ Band abgeliefert, der durch den angesprochenen Rückgriff auf gänzlich neue, ohne Frage auch ausbaufähige Nebenfiguren plötzlich mitten im Fokus sehr viel Potential über diesen Doppelband hinaus bietet. Gegen Ende des ersten Teils muss Allan J. Stark positiv für den abschließenden Band und als Vorbereitung für den potentiellen Aufstand/ Befreiungskampf/ Krönung des neuen Hauptes noch weiter ausholen und eine Reihe von Fakten nachholen, die im ersten Drittel teilweise absichtlich verzerrt „falsch“ oder besser bewusst manipulierend subjektiv wieder gegeben worden sind, so dass Allan J. Stark das dynamische Tempo zu Gunsten allerdings gut geschriebener, pointierter und politisch selbst in der Gegenwart relevanter Dialoge nicht halten kann.
„Der träumende Gott“ ist trotz des einfach simpel wirkenden Titelbildes einer der besten „Rettungskreuzer Ikarus“ Romane der letzten Jahre, weil er bewusst klischeehafte Situationen zu etablieren sucht, um dann den Boden unter der Hyperion Crew stellvertretend für die Leser wegzuziehen und sie in einem alptraumartigen Szenario gefangen zu halten, in das sie nur mit einer Geste der Hilfsbereitschaft geraten sind.

Hier geht’s zum ersten Teil.

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