Leseprobe Outlanders 7 – Zu den Sternen (in Arbeit)

Mit dieser leseprobe will ich einen weiteren Einblick in das sogenannte “Worldbuilding“ geben, dass für jede Spaceopera unabdingbar ist, oder sein sollte. In Star Wars vermisse ich das zur Zeit leider etwas. Ich hoffe die bekommen das noch hin, bis die Sequel Trilogie abgeschlossen ist. Da “Die letzten Jedi“ komplexer war als “The Force awakens“, sehe ich die Zukunft positiv, auch wenn Snokes Hintergrund leider noch nicht beleuchtet wurde.

 

Leseprobe (unlektoriert)

Outlanders 7 – Zu den Sternen

 

Kapitel 1

3. Mai 4602

Monica Simmons liebte die frühen Morgenstunden in der Wüste von Arizona. Sie liebte den Moment, wenn der von Sternen übersäte Himmel am östlichen Horizont eine bläuliche Färbung annahm und sich die Berge wie ein violetter Scherenschnitt gegen die Dämmerung abhoben. Die Morgensonne stieg schnell über deren Gipfel und schien auf die kargen Hügel rund um die Stadt Sedona herab, die das Landschaftsbild der Gegend prägten. Nach einem nächtlichen Regenschauer war die Luft noch kühl und klamm. Der feuchte Wüstenboden verströmte einen frischen und herben Duft, der der Monicas Sinne belebte. Über Nacht begannen die Ocotillo Sträucher hellgrüne Blätter und knallrote Blüten hervorzutreiben. Wie kleine Flämmchen glommen sie an den seltsamen Büschen. Pflanzen, die scheinbar nicht mehr als Ansammlungen kahler Äste waren, die wie Speere aus dem Sand ragten. Das Licht der Morgensonne fing sich auch in den Kakteen, die wie Männer mit erhobenen Armen aussahen. Zu ihren Füssen wuchsen Ginstersträucher, welche die Täler sprenkelten, aus denen sich die blauen Schatten der Nacht allmählich zurückzogen. Hier und da ragten die Wipfel großer Bäume über die Hügelkämme. Künstlich angelegte Waldflächen, die als Wasserreservoir dienten. Sumpfige Paradiese für allerlei Getier. Vor einigen Stunden waren Monica und ihre Begleiterin Ellena Green auf geheimen Pfaden durch eines dieser Gebiete gegangen. Sie waren schon vor Jahrhunderten angelegt, dann vernachlässigt und von Jablonski, dem Chef der Sedona-Miliz, wieder erneuert worden. Für Jablonski erfüllten sie jedoch auch einen strategischen Zweck. Diese Areale bedeuteten ein großes Hindernis für jeden Feind, der sich durch die Canyons auf Sedona zubewegte.
In ein paar Stunden würde die Luft über den Hügeln vor Hitze tanzen und flimmern. Bald würde Arizona wieder genau der Backofen sein, wie Monica Simmons ihn in Erinnerung hatte. So sehr sie die Hitze als Jugendliche geliebt hatte, so sehr vermied sie es nun, sich unter der Sonne zu bewegen, wenn sie hoch am Himmel stand. Sie schätzte die Rundgänge in den kühlen, bisweilen eisigen Nächten, wenn die Sterne klar und hell über der Wüste funkelten. Und es war gut, dass sich Ellena bereitwillig zeigte, sie auf den Nachtpatrouillen zu begleiten, für die sie sich oft freiwillig meldete.
Monica Simmons und Ellena Green hatten sich gut in die Truppe um Dallas Jablonski eingefügt. Sie waren stolz auf das Emblem, das ihre Uniformen über der rechten Brusttasche zierte und einen Stierkopf zeigte, aus dessen Nüstern Flammen schlugen. Ein Schriftzug war darunter zu lesen, der ihrer Truppe seinen Namen verlieh. “The Wild Bunch“. Ein treffender Name, der gut beschrieb, aus welchen Leuten sich das Freikorps oder die Miliz, wie man sie auch nannte, zusammensetzte. Monica und Ellena identifizierten sich voll und ganz, mit diesem wilden Haufen, der an eine Großfamilie, mit freundlichen, frechen und unartigen Kindern erinnerte. Dallas Jablonski war wie ein biblischer Patriarch und seine Frau Rosalie erinnerte an eine Matrone, die ihre Kinder mit gutmütiger Barschheit im Zaum hielt. Mit Romina und Pavel, den Sprösslingen der Beiden, die etwa in Ellenas Alter waren, kamen sie blendend zurecht. Sie waren fähig und besaßen den Humor ihres Vaters. Alles war bestens, wenn Ellena ihr bisheriges Leben überdachte. Abgesehen von den Querelen, die es für gewöhnlich unter Truppen von Freiwilligen gab, in denen die Führungsposten von Kumpeln besetzt wurden. Für gewöhnlich herrschte ein zu vertrauter Umgangston, der Probleme mit sich brachte, wenn man Befehle geben musste. Wer es nicht fertigbrachte diese Situationen zu meistern, verlor schnell den Respekt der Kameraden. Immerhin. Trotz aller Vertraulichkeit, nahm sich keiner der Jungs Freiheiten gegenüber den Frauen in der Truppe heraus. Offenbar verfügte Dallas Jablonski über ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Leute. Vielleicht aber lag es auch nur an der konservativen Einstellung des strenggläubigen Katholiken, der kein Verständnis für anzügliches Verhalten besaß und ganz klare Ansagen zu diesem Thema machte. Bislang jedenfalls gab es keinen Grund, die Entscheidung zu bereuen, die Monica und Ellena getroffen hatten, sich Jablonski anzuschießen, anstatt sich mit Benjamin Porter in den verwüsteten Landstrichen herumzutreiben. Allein die Verpflegung die sie genossen war alle Mühen wert, die das Leben in der Miliz mit sich brachten. Dennoch es gab in letzter Zeit andere Probleme, die Monica Sorgen machten und die nichts mit ihren Kameraden zu tun hatten. Es waren die Kampfeinsätze, die sich nicht selten gegen Menschen richteten. Auch wenn es sich dabei größtenteils um Gauner und Plünderer handelte, machten Monica die Missionen mehr und mehr zu schaffen. Mit den Schnüfflern verhielt es sich natürlich anders. Das waren nur Monster, die sie zur Strecke bringen mussten. Und bei dieser Art von Arbeit waren Ellena Green und Monica Simmons inzwischen unentbehrlich geworden. Besonders Ellena besaß ein besonders empfindliches Gespür für die Gegenwart von Schnüfflern. Insofern brauchten sich die Beiden keine Sorgen machen, dass jemand in der Truppe es darauf anlegte, es sich mit den Beiden zu verderben. Nein, das war es nicht, was Monika Kopfzerbrechen bereitete. Es waren die Menschen, die mehr und mehr dabei waren, ihre Menschlichkeit zu verlieren. Anstatt sich gegen den Untergang zu wehren und alles daran zu setzen die Werte zu bewahren, die sich die Bewohner der Erde über Jahrtausende hinweg so mühsam erkämpft hatten, wendeten sie sich gegeneinander. Es war deprimierend zu sehen, wie sehr der Mensch zum Feind seiner eigenen Spezies wurde. In dieser zerbrechenden Welt, stellte Jablonskis Truppe eine Zuflucht dar. Ein Gegenbild zu all dem Chaos, dass in den dunklen Ländern um das kleine Sedona-Refugium herrschte, welches Monica und ihre Kameraden beschützten. Abgesehen von den marodierenden Banden, denen Jablonski diverse Denkzettel verpasste, vergrößerten Warlords ihre Gebiete und begannen gegeneinander Krieg zu führen. Das brachte indirekt ein weiteres Problem mit sich. Auch Jablonski geriet immer mehr ins Visier von Leuten, die ihn ebenfalls als Kriegsherrn betrachteten, der nur darauf wartete die Macht an sich zu reißen und die Region, um die Stadt Sedona zu beherrschen. Wer Jablonski gut genug kannte – und Monica ging davon aus, dass auch sie sich nicht täuschte – der wusste, dass Jablonski nichts mit diesen Kriminellen gemeinsam hatte. Dallas Jablonski tat zwar alles, um die Zweifel des sogenannten Landtages – der zivilen Verwaltung Sedonas – zu zerstreuen. Dennoch konnte er nichts dagegen machen, dass viele von denen, die er eigentlich beschützte, in ihm eine Gefahr sahen. Der Landtag wurde aus einer Gruppe von etwa fünfzehn Männern und Frauen gebildet, unter denen Randolp Stokes den Vorsitz hatte, den alle nur Randy nannten. Ein Mann von gut siebzig Jahren. Groß, grauhaarig und hager, der in Gestalt und Gehabe irgendwie an Abraham Lincoln erinnerte. Er kam meist im Gefolge von zwei oder drei weiteren Mitgliedern des Landtages. Am öftesten kam Stokes in Begleitung von Jeff Hadley. Einem jungen, blonder Mann. Gutaussehend, mit kantigem, meist stoppelbärtigem Gesicht. Er sagte niemals viel und machte einen eher unbeteiligten und gelangweilten Eindruck. Ihn schienen die Aufgaben seines Amtes zu langweilen, was den Verdacht nahelegte, dass man ihn irgendwie in diese Stellung gezwungen hatte. Vielleicht war er der Sohn aus einer einflussreichen Familie und erwartete von ihm Verantwortung zu übernehmen. Egal. Monica interessierte sich nicht für ihn und seine Motive. Das war ohnehin alles belanglos, denn alles hatte den Anschein, dass die ruhigen Tage in Sedona gezählt waren. Monica blendete diese Gedanken aus, verdrängte sie, doch immer wieder schlichen sich diese Befürchtungen in ihr Bewusstsein. Sie musste es sich allmählich eingestehen. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es zum Bruch zwischen der zivilen Verwaltung und ihren bewaffneten Wächtern kommen würde. Irgendwie lag das seit einigen Tagen in der Luft. Nur die Angst vor dem Chaos, das danach eintreten mochte, hielt alle Seiten davon ab, es schon jetzt dazu kommen zu lassen. Natürlich waren alle Bewohner der Gegend bewaffnet, und jeder vermochte sich seiner Haut erwehren. Jedenfalls für eine gewisse Zeit. In Arizona gehörte der Waffenbesitz seit jeher zur Kultur, genau wie in den Nachbarstaaten. Und niemals zuvor war es vernünftiger gewesen eine automatische Waffe bei sich zu tragen, wie in diesen Zeiten. Aber bislang hatte sich außer Jablonski niemand gefunden, der die bewaffneten Bürger organisierte oder anführte und so verhinderte, dass man sich gegenseitig bekämpfte. Es war gut, dass es nur wenige, oder überhaupt niemanden gab, der diese Art von Verantwortung übernehmen wollte. Binnen Kurzem würde es hier nur so von lokalen Kriegsherren und Banden wimmeln. Die Verwaltung wusste, wie wichtig es war, die Bildung derartiger Gruppierungen zu verhindern, die Jablonski und damit der ganzen Region Probleme machen konnten. Aber auch das schien nur noch eine Frage der Zeit. Irgendwann würde und ein Konkurrent auftauchen, um Ärger zu machen. Dies und die Angst der Bewohner, die sie zu unbedachten Handlungen verleiten konnte, bereiteten Monica ebenfalls Sorgen. Gerade vor drei Tagen war erneut eine Delegation des Landtages eingetroffen, um Jablonski ihre Bedenken vorzutragen. Anlass war der Bau eines weiteren Stützpunktes im Süden, den Jablonski in die Wege geleitet hatte. Bisher unterhielt die Miliz dort nur ein Lager, mit einem kleinen Landeplatz. Doch wie Stokes behauptete, besaß der Ausbau zu große Dimensionen und die Bewohner fühlten sich nun bedroht. Und da es seit einigen Monaten nicht mehr zu Übefällen gekommen war, so führte Stokes weiter aus, hielt der Landtag den Ausbau des Stützpunktes für unnötig. Jablonski argumentierte, dass die Überfälle nur wegen seiner Aktionen abgenommen hätten und die Baumaßnahmen dazu beitragen würden, die Sicherheit der Zivilisten weiter zu erhöhen. In Anbetracht des wachsenden Einflusses der Warlords, schien ihm dieser Schritt nur allzu vernünftig. Die Verwaltung jedoch war anderer Ansicht und rückte bald mit der Wahrheit heraus. Die Anzahl der Kämpfer unter Jablonskis Kommando stellte inzwischen eine Größe dar, die man als Gefahr betrachtete. Als Jablonski nachfragte, ob das nur die Meinung einiger Einwohner sei, oder es sich dabei auch die Ansicht der Verwaltung handelte, die die Lage bestimmt besser und vernünftiger einschätzen konnte, erntete er einige Momente betretenes Schweigen. Daraufhin war das Treffen beendet und sowohl Dallas, als auch Stokes und seine Begleiter, sahen davon ab sich voneinander zu verabschieden. Die Stimmung in der Truppe war seither getrübt und es gab öfter Streitigkeiten, die deutlich machten, wie sehr die Meinungen darüber auseinandergingen, wie Jablonski darauf hätte reagieren sollen.
„Du bist ja heute sehr gesprächig“, bemerkte Ellena Green. „Was grübelst du?“
Die Worte rissen Monica förmlich aus ihren Gedanken. „Ich versuche gerade, mir ein Bild zu machen.“
„Ein Bild wovon?“
„Nicht so wichtig.“
„Sicher?“
„Ich kann mir noch kein Urteil erlauben. Ich muss Fakten sammeln.“
Ellena schüttelte den Kopf. „So ernst? Klingt, als müsstest du vor Gericht aussagen.“
Kurz bevor sie den Stützpunkt erreichten, machten die beiden Frauen eine Pause. Sie setzten sich auf jenen flachen Felsen, auf dem sie immer Pause machten und dabei gelegentlich die letzten Reste ihres Proviantes verzehrten, bevor sie ihren Rundgang offiziell beendeten. Von hier aus konnte man den Stützpunkt sehen, auf dessen Landplatz der schwerbewaffnete Gleiter stand. Er hatte den Namen Batty und war erst vor Kurzem pechschwarz lackiert worden. Dahinter erstreckte sich das Häusermeer von Sedona. Die meisten Wolkenkratzer im Zentrum der Stadt lagen in Trümmern. Umgeben von Ruinen, ragten noch drei von ihnen trotzig in den Himmel, als wollten sie den ungebetenen Besuchern aus dem Weltraum, die so viel Verwüstung über die Erde gebracht hatten, den Mittelfinger entgegenstrecken.
Monica begann damit, sich mit einem Stöckchen die feuchte Erde aus dem Profil ihrer Stiefel zu kratzen. Er klebte zäh und widerspenstig im Profil der Sohlen. Eine notwendige Prozedur, denn sowohl Dallas, als auch seine Frau legten größten Wert auf Reinlichkeit und hassten es, wenn jemand unvorsichtigerweise Dreck in den Stützpunkt trug.
„Meinst du, es wird Ärger geben?“, bohrte Ellena weiter nach und drehte sich nachdenklich eine Locke in die dunkelblonden Haare.
Monica wunderte sich manchmal darüber, wie unbedarft und beiläufig ihre Freundin das Offensichtliche infrage stellte. „Ich hoffe, man wird ihn vermeiden können.“
„Der Ärger ist doch schon da. Und er schwelt schon eine ganze Weile.“ Ellena betrachtete ihre verdrehte Haarsträhne und ließ die Beine baumeln, das Gewehr quer über ihre Knie gelegt.
„Aber das wäre nicht das erste Mal, dass es Ärger gibt, oder?“
„Nein. Aber irgendwann ist eben Schluss.“
„Du meinst die Zwischenfälle mit den Zivilisten?“
„Ja.“
„Die gibt es schon lange. Schon bevor wir hier angekommen sind. Und Dallas schickt diejenigen weg, die sich nicht benehmen können. Und seit wir hier sind, habe ich nichts mehr von ernsteren Vorkommnissen gehört. Außerdem sind solche Schachen Angelegenheit der Polizei.“
Ellena lachte. „Diese Clowntruppe? Ist nicht dein Ernst. Die sind froh, wenn man sie nicht behelligt. Denkst du, die wollen Schwierigkeiten mit uns bekommen? Die sagen den Zivilisten, sie sollen einfach das Maul halten und das Unrecht schlucken.“
Monica musste ihr Recht geben. Aber es gab bisher nichts, das man als Verbrechen betrachten konnte. Jemand hatte mal drei Hühner gestohlen. Zwei mal wurden Frauen belästigt. Einmal die junge Tochter eines Grundbesitzers. Dallas schickte die Männer weg und meinte wohl, dass die Sache damit erledigt sei. Doch offenbar war er im Irrtum. Monica wurde den Eindruck nicht los, dass Ellena mehr wusste. „Was hörst du so? Und von wem?“
Ellena sah zum Himmel hinauf, über den gerade ein Schwarm Krähen hinwegflog. „So dies und das. Ich bin ja auch tagsüber auf Rundgang und da begegnet man den Leuten. Quatscht. Tauscht sich aus.“
„Ja?“
„Es ist nicht alles so rosig, wie du es gerne hättest.“
„Und ich denke du übertreibst. Oder die Leute, mit denen du dich unterhältst.“
„Ich will nicht, dass man uns Probleme macht“, ergänzte Ellena. Ihre Stimme verriet Anspannung und unterdrückte Wut. „Ich bin schon zu oft davongelaufen. Vor meinen Eltern, vor der Flotte, den Saviors, den Keymon. Ich werde den Platz nicht kampflos räumen. Es wird Blut fließen. Ich spüre das. Sehe es kommen.“ Sie legte die Hände aneinander, als hielte sie eine Waffe und zielte mit den Zeigefinger in die Ferne. „Psch! Psch!“
Monica schockierten Ellenas Worte, auch wenn sie damit nur das aussprach, was sie selber dachte und die ganze Nacht beschäftigte. Oder war es vielleicht genau deshalb? Das Ellena ebenfalls besorgt war und bisher darüber schwieg? „Wer hat etwas von Kampf gesagt?“
„Niemand. Aber das ist auch nicht nötig. Und willst du wissen, was ich denke?“
Natürlich wollte sie das.
„Die Bewohner haben recht. Wir sind eine Gefahr, wie alle Menschen, die Waffen handhaben können. Menschen, die organisiert sind und sich für Beschützer halten. Manchmal weiss man nicht wie man Beschützen soll. Wie weit man gehen darf und das führt dann zu Fehleinschätzungen. Besonders wenn sich jemand nicht beschützen lassen will. Oder die Art und Weise kritisiert, wie das zu geschehen hat.“
Alle Schlichtheit, die Monica so oft an ihrer Freundin beobachten konnte, war nun von ihr gewichen. Monica war für einen Moment von Ellenas Überlegungen überrumpelt. „Willst du etwa deine Knarre wegwerfen und Felder beackern?“
„Sehe ich so aus?“ Ellena widmete Monica einen langen, nachdenklichen Blick. Ihre grünblauen Augen glitzerten, als loderte ein Zorn darin, den sie nur schwer zu bändigen vermochte. Oder war es Angst die sich in Wut und Verwirrung ausdrückte „Ich will mich weder vertreiben lassen noch meine Waffen abgeben. Und Felder bebauen will ich ebenso wenig. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Wer weiss schon was passiert, wenn man mich dazu zwingt eine Wahl zu treffen.“
Die Frage war außerdem, was Dallas tun würde, wenn man ihm mitteilte, dass seine Dienste nicht länger erwünscht seien. „Es wird kompliziert werden. So viel steht fest.“ Monicas Antwort fiel damit schlichter aus, als sie beabsichtigte. „Aber womöglich kommt es auch ganz anders und wir machen uns zu viele Sorgen“, schob sie eilig nach. „Wir brauchen einander. Gerade weil es Leute wie dich gibt, die keine Kartoffeln züchten wollen, oder solche, die keine Waffen benützen möchten oder sich davor fürchten, wie die meisten Zivilisten.“
Ellena gab darauf keine Erwiderung, sondern betrachtete ihr Gewehr. Sie sah aus wie jemand, der beschlossen hatte sich Sorgen zu machen und das auch für ganz vernünftig hielt, anstatt sich die Situation schönzureden. Sie starrte auf Sedona herab, als stiege gleich der Teufel über die Dächer empor. Ihre Meinung über Zivilisten schien nicht dieselbe zu sein, wie die ihrer Freundin.
„Warten wir erst mal ab, bevor wir uns den Kopf zerbrechen“, beschwichtigte Monica. „Die Leute brauchen uns. Und sie brauchen jemanden, der so vernünftig ist wie Dallas. So viel steht fest.“
„Das wissen wir. Aber die anderen scheinen das vergessen zu haben. Die Bewohner von Sedona. Die Farmer. Die haben nur Angst. Angst ist alles, was die kennen.“
Sie hatte recht. Nach dem zu urteilen, was Stokes von sich gab, wenn er in den Stützpunkt kam, war sich die ganze Stadt voller Misstrauen. Aber Monica wollte Ellenas Befürchtungen nicht noch befeuern. „Die werden sich schon einigen. Es ist ein Gebot der Vernunft.“ Die letzten Worte kamen unvermittelt über ihre Lippen. Vernunft war seit jeher ein seltenes Gut.
Ellena rümpfte die Nase. „Kosten-Nutzenerwägungen wohl eher. Wenn eine größere Plündererbande auftaucht, werden sie schon angekrochen kommen.“
„Rede nicht zu laut davon, sonst trifft es ein.“
„Dann will ich es herrausschreien“, entgegnete Ellena und es klang wie ein Zischen. „Sollen sie doch kommen, um unsere Schützlinge daran zu erinnern, warum sie uns brauchen.“
Monica missfiel, was ihre Freundin sagte. Und das lag nicht am Unheil, dass sie beschrieb und jederzeit Wirklichkeit werden konnte. Irgendetwas anderes beunruhigte sie, das in ihrem Tonfall, ihrer Mine, in ihrem ganzen Verhalten zutage trat. Etwas Bitteres, das in ihrer Freundin, scheinbar über Nacht, gewachsen war. Diese Veränderung machte Monica wütend. Sie wollte keine Veränderung. Sie war zu alt dafür. „Es gibt kein wir und sie!“, versetzte Monica schroff. „Es heißt wir. Hast du verstanden? Es gibt nur uns! Die Bewohner von Sedona Arizona, zu denen wir auch gehören.“
Ellena schwieg, während sie den Trampelpfad betraten, der schnurgerade zum Hauptstützpunkt führte. Es sah aus, als sei Monicas Zorn an ihr abgeprallt. „Wenn du das so siehst, ist das schön“, gab sie lapidar zurück. „Wäre mir auch das Liebste. Aber ich glaube, du bist den Ereignissen hinterher.“

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