Neue Leseprobe ! Outlanders 7 – Zu den Sternen

Kapitel 1

Monica Simmons und Ellena Green hatten sich gut in die Truppe um Dallas Jablonski eingefügt. Abgesehen von den Querelen, die es für gewöhnlich unter Truppen von Freiwilligen gab, in denen die Führungsposten von Kumpeln besetzt wurden, war alles bestens. Entweder herrschte ein zu vertrauter Umgangston, der Probleme mit Befehlen mit sich brachte, oder man stand in der Gefahr als Günstling zu gelten, dem man quasi die Rosinen zusteckte. Immerhin belästigte man sie nicht, was sie den Jungs hoch anrechneten. Vielleicht aber lag es auch an der konservativen Einstellung des strenggläubigen Katholiken Jablonski, der kein Verständnis für anzügliches Verhalten besaß und ganz klare Ansagen zu diesem Thema machte. Bisher gab es keinen Grund, die Entscheidung zu bereuen, die Monica und Ellena getroffen hatten, sich Jablonski anzuschießen, anstatt sich mit Benjamin Porter in den verwüsteten Landstrichen herumzutreiben. Allein die Verpflegung die sie genossen war alle Mühen wert, die das Leben in der Miliz mit sich brachte. Aber es gab andere Probleme, die Monica Sorgen machten und die nichts mit den Kameraden zu tun hatten. Zum einen, waren es die Kampfeinsätze, die sich nicht selten gegen Menschen richteten. Auch wenn es sich dabei größtenteils um Gauner und Plünderer handelte. Mit den Schnüfflern verhielt es sich natürlich anders. Das waren nur Monster, die sie zur Strecke bringen mussten. Und bei dieser Art von Arbeit waren Ellena Green und Monica Simmons inzwischen unentbehrlich geworden. Besonders Ellena hatte ein besonders empfindliches Gespür für die Gegenwart von Schnüfflern. Insofern brauchten sich die Beiden keine Sorgen machen, dass jemand in der Truppe es darauf anlegte, es sich mit den Beiden zu verderben. Jablonskis Leute waren nun ihre Familie. Eine Zuflucht in einer zerbrechenden Welt. Ein Gegenbild zu all dem Chaos, dass in den dunklen Ländern um das kleine Refugium herrschte, dass Monica und ihre Kameraden beschützten. Es war deprimierend zu sehen, wie sehr der Mensch zum Feind seiner eigenen Spezies wurde. Abgesehen von den marodierenden Banden, die über Land zogen und denen Jablonski den ein oder anderen Denkzettel verpasste, vergrößerten diverse Warlords ihre Gebiete und gerieten aneinander. Das brachte ein weiteres Problem mit sich, denn auch Jablonski geriet immer mehr ins Visier von Leuten, die ihn ebenfalls als Kriegsherrn betrachteten, der nur darauf wartete die Macht an sich zu reißen, die Region um die Stadt Sedna zu beherrschen. Er tat alles, um die Zweifel des sogenannten “Landtages“ zu zerstreuen, aber er konnte nichts dagegen machen, dass viele von denen, die er eigentlich beschützte, in ihm eine Gefahr sahen. Monica hielt die Tage für gezählt, in denen es zum Bruch zwischen der zivilen Verwaltung und ihren bewaffneten Wächtern kommen würde. Natürlich waren alle Bewohner der Gegend bewaffnet. In Arizona gehörte das seit jeher zur Kultur, genau wie in den Nachbarstaaten. Und niemals zuvor war es vernünftiger gewesen eine automatische Waffe bei sich zu tragen, wie in diesen Zeiten. Aber bislang hatte sich außer Jablonski niemand gefunden, der die bewaffneten Bürger organisierte und anführte. Es war gut, dass es nur wenige, oder überhaupt niemanden gab, der diese Art von Verantwortung übernehmen wollte. Die Verwaltung wusste, wie wichtig es war, die Bildung von Gruppierungen zu verhindern, die Jablonski und damit der ganzen Region Probleme machen konnten. Aber es schien nur noch eine Frage der Zeit, wann das geschehen und ein Konkurrent auftauchen würde. Monica bereitete diese Möglichkeit und die Angst der Bewohner Sorgen. Gerade vor drei Tagen war eine Delegation der Regionalverwaltung, wie sich die Regierung offiziell nannte, eingetroffen, um Jablonski ihre Bedenken vorzutragen. Anlass war der Bau eines weiteren Stützpunktes im Süden, den Jablonski in die Wege geleitet hatte. Bisher unterhielt Jablonski dort nur ein Lager, mit einem kleinen Landplatz. Die Bewohner fühlten nun bedroht, hatte die Delegation behauptet. Und da es seit einigen Monaten nicht mehr zu Übefällen gekommen war, so führten sie weiter aus, hielten sie den Ausbau des Stützpunktes für unnötig. Jablonski argumentierte, dass die Überfälle nur wegen seiner Aktionen abgenommen hätten und die Baumaßnahmen dazu beitragen würden, die Sicherheit der Zivilisten zu erhöhen. Die Verwaltung jedoch war anderer Ansicht und rückte bald mit der Wahrheit heraus. Die Anzahl der Kämpfer unter Jablonskis Kommando stellte inzwischen eine Größe dar, die man als Bedrohung empfand. Als Jablonski nachfragte, ob das nur die Meinung einiger Einwohner sei, oder ob es sich dabei auch die Ansicht der Verwaltung handelte, erntete er einige Momente betretenes Schweigen. Daraufhin war das Treffen beendet und Dallas Jablonski sah davon ab sich von der Delegation zu verabschieden. Die Stimmung in der Truppe war seither getrübt und es gab öfter Streitigkeiten in der Truppe, die deutlich machten, wie sehr die Meinungen darüber auseinandergingen, wie Jablonski darauf hätte reagieren sollen.
„Meinst du, es wird Ärger geben?“, fragte Ellena Green und drehte sich eine Locke in die dunkelblonden Haare.
Monica wunderte sich manchmal darüber, wie unbedarft und beiläufig ihre Freundin das Offensichtliche infrage stellte. „Der Ärger ist schon da. Und er schwelt schon eine ganze Weile.“
„Ich will nicht, dass man uns Probleme macht“, ergänzte Ellena trotzig. „Ich bin schon zu oft davongelaufen. Vor meinen Eltern, vor der Flotte, den Saviors, den Keymon. Ich werde den Platz nicht kampflos räumen.“
Monica schockierten Ellenas Worte. „Wer hat etwas von Kampf gesagt?“
„Niemand. Aber das ist auch nicht nötig. Und willst du wissen, was ich denke?“
Natürlich wollte sie das.
„Die Bewohner haben recht. Wir sind eine Gefahr, wie alle Menschen, die Waffen handhaben können. Besonders wenn sie organisiert sind und sich für Beschützer halten. Manchmal weiss man nicht wie man Beschützen soll und das führt dann zu Fehleinschätzungen. Besonders wenn sich jemand nicht beschützen lassen will. Oder die Art und Weise kritisiert, wie das zu geschehen hat.“ Alle Einfältigkeit, die Monica so oft an ihrer Freundin beobachten konnte, war nun von ihr gewichen. Monica war für einen Moment von Ellenas Überlegungen überrumpelt. „Willst du etwa deine Knarre wegwerfen?“
Ellena widmete Monica einen langen, nachdenklichen Blick. Ihre grünblauen Augen glitzerten, als loderte ein unterdrückter Zorn darin. Oder Angst, die sich in Wut und Verwirrung ausdrückte „Ich will mich weder vertreiben lassen noch meine Waffen abgeben. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Wer weiss schon was passiert, wenn man mich dazu zwingt.“

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