Neue Serie im Asgaroon Universum: Generationship.

Arbeiten an Generationship 1 – Die Prophetin.

Hier ein kleiner Auschnitt:

Briddle erwartete Leanna am Tor. Ein großer Gaul stand neben ihm, der so sehr an seiner Trense kaute, dass der weiße Speichel zu Boden tropfte. Eris Briddle hielt das unruhige Tier am Zügel fest und musterte Leanna, die den Burghof überquerte. Sein Gesicht verriet die mürrischen Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen. Er war noch nie ein Meister darin gewesen, seine Emotionen zu verbergen. Auch ihn musste der Befehl ihres Bruders schnell und hart getroffen haben, das war klar zu erkennen. Der Zorn auf Rigan war zumindest eine Gemeinsamkeit, die die Beiden jetzt vereinte. Zumindest milderte die Dunkelheit den Ärger, der auf ihren Gesichtern zu erkennen war.
Briddle nahm eine Fackel aus ihrer Wandhalterung. „Mal sehen wie lange es dauert, bis wir einander an die Gurgel gehen“, brummte er mürrisch und machte sich mit dem Gaul auf den Weg.
„Ich kanns gar nicht erwarten“, gab Leanna zurück.
Briddle ging in weniger zügigen Schritten voran, als Leanna es von ihm gewohnt war. Für gewöhnlich sah es so aus, als würden wichtige Geschäfte, den Mann vorantreiben, wenn er sich durch die Straßen oder Korridore der Burg bewegte. Jetzt schien ihn die Masse seines Körpers davon abzuhalten, Geschwindigkeit aufzunehmen. Es war ihm anzusehen, wie sehr ihm seine Aufgabe missfiel.
„Hast du irgendeine Ahnung“, fragte Leanna, „Wo wir hingehen werden?“
„Wen kümmert das?“, gab er zurück. „Jeder Weg weg von hier ist kein guter Weg.“
„Hat Rigan dir etwas über unserer Reisegefährten gesagt?“
„Nicht viel.“
„Und was war das Wenige?“
„Sie wissen anscheinend, was sie tun, sagte er. Und damit haben sie den meisten Menschen was voraus. Das beruhigt mich etwas.“
„Und wo treffen wir sie?“
Er antwortete nicht und bog schweigend in eine schmale Gasse ab, der er bis zu ihrem Ende folgte. Vor einem der Häuser stand ein schlichter Wagen, in dessen Deichsel er das Pferd einspannte. Der Wagen bot Platz für zwei oder drei Leute, wie Leanna schätzte. In jedem Fall war er nicht groß genug, um genug Abstand zu Briddle zu haben, der ihn mit seiner schieren Körperfülle ausfüllen und Leanna erdrücken würde.
„Das kann doch nicht sein Ernst sein?“, entrüstete sich Leanna.
„Von wem sprichst du?“, wollte Briddle wissen.
„Von wem wohl?“ Sie stemmte die Fäuste in die Hüften. „Meinem Bruder.“
„Ach der?“ Briddle befestigte ein paar Gurte am Leib des Pferdes. „Ich mach mir keine Gedanken mehr darüber. Er wird seine Gründe dafür haben, dich nicht mehr um sich haben zu wollen. Dass er uns aber zusammen auf den Weg schickt, wundert mich. Er weiss doch, dass wir nicht gerade die besten Freunde sind.“ Er klopfte dem Gaul auf den Hintern. „Aber egal. Das zählt jetzt nicht mehr.“
Das klang fast wie ein Abschied für immer und bestätigte nur das Gefühl, das sie selber hatte. Briddle war gewiss ein guter Beschützer. Aber nach Rigans Worten traf das auch auf die Anderen zu, mit denen sie sich auf die Reise machen sollten. Warum also war Eris Briddle dabei?
Nachdem Briddle die Türe am Heck des Wagens geöffnet und Leanna es abgelehnt hatte sich ins Innere zu begeben, setzten sie sich zusammen auf den Kutschbock. Sie wollte zumindest wissen, wohin die Reise ging und nicht überrascht werden, wenn sich die Türe wieder öffnete. Briddle ließ sie Zügel schnalzen und das Pferd setzte sich in Bewegung. Die Dämmerung zog allmählich herauf und der Kiesweg begann als helle Linie zwischen den dunklen Feldern und Wiesen hervorzutreten. Niemand würde Verdacht schöpfen, wenn ein bunter Wagen um diese Zeit Utay verließ. Sie waren nicht die Einzigen, die bereits auf den Beinen waren. In einiger Entfernung zog ein kleiner Tross über die Hügel in Richtung Süden. Händler, die ebenfalls schon früh aufgebrochen waren, um woanders ihre Geschäfte zu machen.
„Du weißt, wo wir die Anderen treffen sollen?“, wollte Leanna wissen.
„Ja.“
„Ist es noch weit?“
„Nein.“
„Aber du kennst die Leute.“
„Ney“
„Irgendeine Vermutung?“
„Ney.“
Na dass ist der richtige Reisegefährte, dachte Leanna grimmig. In ein paar Tagen werden wir uns gegenseitig umgebracht haben, wie Briddle es bereits vorausgesagt hatte. Oder er tötet lediglich mich. Gegen diesen Fleischberg habe ich ja keine Chance.
„Da sind Wägen.“ Leanna deutete mit ausgestrecktem Arm an eine Stelle, wo der Weg um einen Hügel bog.
„Ja. Das sehe ich“, antwortete Briddle knapp. „Sind unserer Kumpels.“
Die Wägen waren nicht beleuchtet. Um keinen Verdacht zu erregen, vermutete Leanna. Ob sie nun wollte oder nicht, irgendwie gefiel ihr das Geheimnisvolle, Verschwörerische an dieser ganzen Sache. Zumindest jetzt noch besaß die Unternehmung etwas Romatisches, dem sie etwas abgewinnen konnte. Aber das mochte sich schnell ändern. Letztendlich waren Rigans Unternehmungen keine Kinderspiele. Alles hatte einen tiefen, zumeist dunklen Sinn. Rigan sah überall Feinde, oder besser gesagt, er musste sie sehen, damit er nicht wie ein Dummkopf dastand, wenn sie sich zeigten. In einer jener romatischen Geschichten, in denen ein Ritter auf geheimer Mission unterwegs war, würde der Autor ihr einen jungen Recken zur Seite gestellt haben. Athletisch, schön und wortgewandt. Ein Eris Briddle taugte allenfalls zu einem lustigen Weggefährten, der etwas Spaß in die Handlung brachte und nicht weiter wichtig war.
Sie näherten sich der Stelle, an der sie erwartet wurden. Leanna vermochte inzwischen Details zu erkennen. Es handelte sich um drei große Wägen, auf denen Buchstaben prangten. Auf dem größten konnte sie einen Schriftzug lesen, der ihr nicht ganz unbekannt war. “Messertanz“. Sie zuckte zusammen und legte unwillkürlich die Finger vor die Lippen.
„Was ist?“, fragte Briddle. „Gespenst gesehen?“
So in etwa, hätte Leanna beinahe geantwortet. „Das sind die Gaukler vom Fest.“
„Du musst schon etwas präziser sein. Ich kann sie nicht auseinanderhalten. Da war eine ganze Menge von dem Gesindel unterwegs.“
„Gesindel, mit dem wir jetzt unterwegs sind.“
„Warum denkst du denn, bin ich so mürrisch?“
„Woher sollte ich das wissen? Du bist immer mürrisch.“
Briddle gab ein kurzes Brummen von sich, das Leanna als Eingeständnis deutete.
Eine Türe am hinteren Wagen öffnete sich und zwei Männer traten heraus. Leanna hatte sie drei Tage zuvor zwar nur kurz zu Gesicht bekommen, aber sie erkannte Jermal Barona und seinen Sohn, Maro, der ein gutes Stück größer und breiter war, als sein Vater. Aus irgendeinem Grund hoffte Leanna, dass keine der Frauen auftauchte. Weder die blonden Zwillinge, noch das Schlangenmädchen mit dem Oponi Namen, oder Jemals Frau, deren Augen wie blaues Eis leuchteten.

 

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